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DAS ALL umfassende nichts

 

eine Ausstellung von Katja Beck und Deborah Uhde im Schnittraum der HBK Braunschweig | 25.04. – 02.05.2014

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English version see below

DAS ALL umfassende nichts ist eine Gemeinschaftsproduktion von Katja Beck und Deborah Uhde. Durch die Kooperation in Konzept und Umsetzung verschwimmt die klare Antwort auf die Frage der Autorenschaft.


Der Titel dieser Arbeit wirft sofort Bezüge zum Universum auf sowie der Negation dazu. Das Nichts umfasst alles und das All bzw. das Universum ist nichts.  Allerdings ist sehr wohl mehr als nichts in dieser Ausstellung zu sehen und nachzuspüren. Der (Welt)Raum öffnet sich als alles umfassendes Rätsel. Die Verbindungen zwischen den Einzelstücken werden deutlich, wenn man als Besucher erstmal ein Objekt ausgewählt hat, um zu beginnen. Dennoch ist das schwierig, da es scheinbar kein wirklichen Anfang oder Ende gibt. Alles ist miteinander verbunden, baut aufeinander auf oder verweist auf das andere. Alles umfasst alles oder auch nichts, da die Werke auch für sich stehen.


Beginnen wir mit der dominantesten bzw. zentralsten Arbeit: Eine dreieinhalb Meter hohe neunkantige Säule steht mitten im Raum. Auf dieser Säule dreht sich langsam eine Scheibe. Allerdings ist zunächst nicht erkennbar, was auf diesem Tablett präsentiert wird. Dies wird erst erkennbar, wenn hinauf an die Decke in einen runden von der Decke hängenden Spiegel blicken:
 
Feine Speisen türmen sich filigran zu einem Berg auf. Der Schattenwurf der Säule ist eine Projektion der Skulptur im Raum, der neue Assoziationen ermöglicht. Die Schattenform kann an ein Cocktailschirmchen erinnern oder an eine kleine Tänzerin in einer Spieluhr….ein Karussel oder an das Pollenschirmchen einer Pusteblume. Lässt man daraufhin seinen Blick etwas weiter an der Wand wandern, entdeckt man eine weiße Leinwand übersät mit den Flugsamen dieser Pflanze. Hauchzart haften die Pollen an einer rauen Wand und erstrecken sich wie eine Landschaft über die Fläche des Bildraumes. Es wirkt wie eine Landkarte. Allerdings willkürlich, denn der Entstehungsprozess dieses Bildes erinnert an die eigene Kindheit als man durch seinen eigen Atem also durch Pusten die Pollen hat tanzen lassen und verzaubert dem unvorhersehbaren Tanz folgte. Der Platz wo sie in dieser Arbeit landeten ist ebenso willkürlich wie verortend. Eine Landkarte der Kindheitserinnerungen.
 
Neben dieser Landkarte ist eine Videoarbeit von Katja Beck platziert: Prana. Zwei Bäuche stehen sich gegenüber und atmen. Das Thema Atmung, Luft des Lebens, wird aufgegriffen. Die Körper nehmen den Raum ein, füllen sich und flachen wieder ab. Eine anziehende Dynamik der sich gegenüberstehenden Bildelemente entwickelt sich, bei der auch der schwarze Zwischenraum, das Nichts, das nicht Nichts ist, eine starke Präsenz entfaltet. Man atmet im Takt mit und verfällt in eine Art Meditation, in der man kurz davor ist sich, durch das beruhigende Atmen im Universum des Lebens aufzulösen.


Doch plötzlich wird man aus dieser Auflösung des Ichs durch ein klingelndes Telefon rausgerissen und der Fokus auf eine goldene Telefonzelle gelenkt. Ein Anruf aus dem Universum, in dem man sich gerade fast aufgelöst hat? Die angenehme männliche Stimme im Hörer liest eine Geschichte von einer langsamen Drehbewegung eines Planeten und einer Scheibe, auf der eine Landschaft aufgetürmt ist, vor. Sofort erblickt man wieder die goldene Säule und erhält durch den Anruf einen neuen Aspekt zur Interpretation dieser.
Die Welt als Scheibe, sich unaufhörlich im Kreis drehend wie man selbst, denn man ist wieder am Anfang bzw. am Ende der Ausstellung. Aber dann fällt einem zu der Drehbewegung und den auf der Scheibe befindlichen Speisen der große dampfende Topf in der Ecke auf, akzentuiert von einem LED-Wechselfarbenspot.


Von Zeit zur Zeit wird die Suppe kräftig gerührt. Eine Art Ursuppe, in der das Leben entsteht. Sie riecht süßlich und fruchtig und hätte ebenso zuerst unsere Aufmerksamkeit erregen und durch den Verweis auf Speisen zur goldenen Säule führen können und die Säule dann zur goldenen Telefonzelle. Die Verknüpfungen sind unendlich und alles umfassend wie das Universum.

Melanie Prost



voice /Sprecher: Felix Lohrengel

technical support: Oliver Rod

 

 

THE ALL encompassing nothing, is a co-production of Katja Beck and Deborah Uhde. Due to the collaboration of concepts and implementations, the question of authorship becomes a blur.
The title of this work immediately refers to the universe and all its negation. Nothing embraces everything and the universe (in German: das All) is nothing. Indeed, there is more than nothing to discover and trace in this exhibition. The open space is unfurling as an all-encompassing enigma. Connections between the individual items in the exhibition space become linked once the visitor has chosen an object to start with. Still, this seems to be the first task, since apparently there is no actual starting or ending point. Everything is interconnected, is based on one another or pointing towards each other. Everything is embracing everything – or nothing, because the single works can also be seen independently.


Let´s start with the most dominant position respectively, a centrally located piece of work: a three-and-a-half-meter high column in the form of a nonagon located in the room. On  top of the column is a slowly rotating disk. What is being showcased on this tray isn´t recognizable at first glance. Not until the approaching visitor looks into a round mirror hanging from the ceiling above that column.
 
Fancy food is delicately piling up in a mountain. The shadow of the column is projected, creating a versatile sculpture that mixes in new associations. The form of the shadow brings to mind a cocktail umbrella or a ballerina dancer in a music box… or a carousel or pollen from a dandelion. Allowing the gaze to wander across the wall, one discovers a white partition laced with the pollen of that plant. Feathery, they adhere to the rough wall and sprawl out like landscape across the image space. It seems to resemble a map. Released arbitrarily, the process of the work brings back childhood memories, where the pollen blows into a dance moved by one´s own breath in a captivating unpredictable dance. The spots where the pollen lands is just as disordered as intentional. Like mapping childhood memories.


A video hangs next to this wall, work by Katja Beck: Prana. Two breathing bellies are placed vis-à-vis. The subject of breathing, the air of life, is admitted in this part of the room. The bodies embrace their space, filling and flattening. Appealing dynamics of the opposing elements of the image unfold. Also, the space “in-between,” the black empty nothing that is not nothing, is flowering out a strong presence. One adapts to the rhythm of the breathing which comes close to a meditative-like feeling, where the borders of the subject is almost dissolving  and melting into the universe.


But then suddenly a phone rings and the visitor is disruptively awakened, now focusing a golden telephone cell. A call from the universe in which one just almost dissolved into? The congenial man´s voice inside the earphone tells a story of a slowly rotating movement of a planet and a disk, on which a landscape is mounted on. Immediately the golden column comes back to one‘s mind.  The contents of the story add a new aspect in interpreting that fragment.
The world as a disk, continuously circling itself, is placed at the starting – or ending point of the exhibition again. Suddenly, however, one notices next to these combined loops and the food on the disk that there is a steaming pot in the corner. The pot is accentuated by a LED-lamp with changing colors.


From time to time the soup is being stirred up like a kind of primordial soup in which life is coming to existence. It smells sweet and fruitful and in fact it could also have gained attraction at first glimpse into the exhibition. And then maybe lead to the food on the golden column and the golden column to the golden telephone cell. The web of relations is indefinite as the universe.


Text: Melanie Prost


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